Freunde (2). Für einen Tag

1. Rot und Gelb (3. Mai 2014)

Der Anfang ist die Hälfte des Ganzen

„Licht vom zehnten Himmel“

Glühend und leuchtend scheint Rot aus Dunkelheit und Licht zu bestehen, ein Zustand – über allen Farben. Das strahlendste Rot schafft Rubinglas, das durch Goldchlorid entsteht. In der Schwarz-Weiß-Fotografie wird Rot dunkel, fast wie Schwarz.

Gelb geht, nach Platons Meinung, aus der Verbindung von Glänzendem mit Rot hervor. Gelb, die Mimose, kann nur reines Licht sein, die ersten Blumen im Frühling sind licht vor Gelb, wie befreit nach langer Dunkelheit.

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hortus conclusus (4), 2012, Öl auf Leinwand, 74 x 79 cm

Phönix (2), 2014, Öl auf Leinwand, 150 x 140 cm

                           

2. Rot und Blau (6. Mai 2014)

plus ultra

Rot ist der König. Blau sind die Götter.

Rot wirkt in der Nähe. Blau zieht sich zurück, die Sehnsucht zieht hinterher. Die rätselhafte Anziehungskraft von Blau lockt uns weg von der Erde. Der Himmel ist fern, unendlich und unerreichbar. Vielleicht kam deshalb in der Vierfarbenlehre der Antike Blau nicht vor: Blau ist der Himmel, die Farbe der Götter. Das Gesicht Mathildens in der blauen Blume.

DSC_0039 Kopie b

hortus conclusus (5), 2012, Öl auf Leinwand, 74 x 79 cm

Phönix (2), 2014, Öl auf Leinwand, 150 x 140 cm

 

3. Gelb und Türkis (9. Mai 2014)

Die Erde in der Ferne wird indisch

hinter dem Gewohnten geht sie phantastisch auf

Gelb ist ein sagenhaftes, weit entferntes Licht. Es verträgt keine Trübungen, sondern verwandelt sich sofort, wenn es anderen Farben zu nahe kommt: wird Ocker, als verschmutze das Licht auf der Erde; wird Grün, als stürze sich das Leben photosynthetisch darauf.

Eine Spur ungetrübten gelben Lichts scheint sich im Türkis zu verstecken. Wenn Blau, nach Goethe, ein Schleier des Schwarzen ist, so ist Türkis der ätherische Übergang von Blau zu Gelb ohne Berührung mit dem vitalen Grün, die leuchtendste Trübung des „reizenden Nichts“. Türkis ist ein kaltes Feuer.

Kastor

Vollmond, 2014, Öl auf Leinwand, 30 x 30 cm

Kastor, 2014, Öl auf Leinwand, 140 x 130 cm

 

4. Türkis und Lapis Lazuli (13. Mai 2014)

Die Welt ist ein Spiegelbild

Türkis ∙ Helio ∙ Äther ∙ Taube ∙ Waid ∙ Veilchen ∙ Enzian ∙ Indigo ∙ Stein ∙ Kobalt ∙ Mangan ∙ Saphir ∙ Rauch ∙ Pech ∙ Forelle ∙ Eis ∙ Tinte ∙ Meer ∙ Marine ∙ Lapis Lazuli ∙ Atlas ∙ Ultramarin ∙ Wal ∙ Nacht ∙ Schwefel ∙ Schneeschatten ∙ Dunst ∙ Berg ∙ Phthalo ∙ Smalte ∙ Stahl ∙ Wiwwel ∙ Mauve ∙ Lavendel ∙ Pflaume ∙ Kornblume ∙ Pfau ∙ Azur ∙ Türkis

 

„Schönes Blau, in dem die Pfauen spazieren und sich verneigen,

Blau der Fernen, der Zonen des Glücks mit den Wettern für mein Gefühl,

Blauer Zufall am Horizont! Und meine begeisterten Augen

Weiten sich wieder und blinken und brennen sich wund.“

(Ingeborg Bachmann)

Mataranka_0326 Kopie 2

Mataranka X, 2014, Öl auf Leinwand, 70 x 100 cm

Mataranka, 2012, Öl auf Leinwand, 115 x 95 cm

 

5. Safran und Curry (16. Mai 2014)

Kunst ist Gedanke

Morgenrot und Abendrot sind selten rot. Zwischen Sonne und Erde liegen die Orangetöne, in ihnen berühren sich der Geist und die Materie.

Die Orange gibt es im Westen erst seit dem 15. Jahrhundert, weder die Farbe noch der Begriff kommen im Mittelalter vor. Die Hitze des Südens klingt im Orange mit, die Erde glüht in der Sonne in tausend Gewürztönen. In Indien ist Indischgelb ein Orangeton. Am Orangeton der Gewänder der buddhistischen Mönche kann man erkennen, woher sie kommen. Bei allen verkörpert die Farbe Orange Weisheit und Reife.

Schach aus Indien.

Nachtreiter Kopie

Nachtreiter, 2014, Öl auf Leinwand, 75 x 100 cm

Blaue Stunde, 2012, Öl auf Leinwand, 80 x 110 cm

 

6. Cyan und Magenta (20. Mai 2014)

Der günstige Wind hat blaue Federn

„Tatsächlich erkennt man Licht als rot, wenn in einem Emissions­spektrum eine steile Flanke im Bereich von etwa 500 nm bis 650 nm liegt, also überwiegend langwelliges Licht im Spektrum vorhanden ist. Jedoch sieht das Auge auch dann Rot, wenn sich im kurzwelligen Bereich noch Blau dazu mischt. Diese blaustichigen oder kühlen Rot­töne haben keine reine Spektralfarbe als Äquivalent mehr, sondern befinden sich auf der Purpurgeraden des CIE-Diagramms …“

Die Wirkung der Farben bleibt ein Geheimnis, wie das Leben.

 

Ohne die Sonne nimmt auch die Kunst wieder den Schleier,

Du erscheinst mir nicht mehr, und die See und der Sand,

Von Schatten gepeitscht, fliehen unter mein Lid. (I. Bachmann)

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Tête-à-tête, 2014, Öl auf Leinwand, 75 x 120 cm

Schneewittchen, 2011, Öl auf Leinwand, 80 x 70 cm

 

 7. Rot und Schwarz (23. Mai 2014)

Der Zufall ist unbeweglich

Schwarz – das unnahbare Licht. Rot übersteigt die reine Polarität von Finsternis und Licht.

Buschbrand in Murrindindi, aufsteigende Hitze, fallende Asche. Das Schwarz auf den Bildern ist eine Wirkung, es besteht aus verschiedenen Farben, Schwarz ist nicht dabei. Schwarz existiert nicht, es ist ein Verbrennungs­produkt, materia ultima. Rot glüht nach im Dunkeln. Rot ist ein Zustand.

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Eukalyptus, 2014, 100 x 130 cm, Öl auf Leinwand

Altar, 1999, 40 x 60 cm, Öl auf Leinwand

 

8. Azur und Indischgelb (27. Mai 2014)

Offene Weite, nichts von heilig

Es wird langsam hell.

Wohin ich blicke: Blumen, nichts als Blumen.

Iris und Hortensien. (Nach Enemoto Kikaku)

Das letzte Grün in Farbentiegeln, ein Blau nicht tragen, nur von ferne spiegeln, und wie in alten blauen Briefpapieren ist Gelb in ihnen, Violett und Grau; Verwaschenes wie an einem Malerkittel; dann scheint das Blau sich zu erhellen an einer von den grauen Stellen, und siehe da: ein Blaues sich an Gelbem freuen. (Nach R. M. Rilke)

Indien

Blaues Zimmer, 2014, 95 x 150 cm, Öl auf Leinwand

Ost Indien, 2009, 75 x 120 cm, Öl auf Leinwand

 

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