Meine Freunde

Ein Raum für ein Bild, für einen Tag, für einen Betrachter.

„Im Glanz der Farben sehen wir das Leben.“ (Raimer Jochims frei nach Goethe)

Spiele Schach mit der Farbe: die Bewegungswerte der Farben müssen an jeder Stelle stimmen.

Staune über Farben: Lapislazuli aus Persien und dem Hindukusch, das leuchtende Blau aus gemahlenem Edelstein, war teurer als Gold. Es wurde gegen Melancholie und Schlaflosigkeit, die blauen Krankheiten, verschrieben. Farbe als Droge.

Denke mit Farbe: „Es gibt eine rein malerische Wahrheit der Dinge.“ (Cézanne)

Januar 1996

Floria Tosca

Für M.

Die besten Pigmente sind die leuchtendsten, wie die aus mineralischen Salzen. Hier sind es Chromoxydgrün und Kadmiumrot, die einen Komplementärkontrast bilden: sie steigern sich, sie beeinflussen sich nicht, sie tauschen sich im Nachbild aus. Farbenblinde sind meist rot-grün-blind.

Manchmal gibt es Sonnenaufgänge mit grünem Licht.

Die Alchimisten sahen Verwandlungsprozesse durch Rot und Grün symbolisiert, sahen im geheimen Feuer des grünen Kristalls den lebendigen Geist.

Die Lichtwerte von Rot und Grün sind gleich, doch Rot herrscht immer. Grün ist die Farbe der Vermittlung zwischen Himmel (Blau) und Hölle (Rot).

In Afrika ist Grün weiblich, Rot männlich. Grün nährt die Seele, Rot ist die Kraft.

Alle Farben sind für sich neutral. Die Entscheidung für Farben wird im Unterbewußtsein gefällt, deshalb haben die Psychologen viel darüber zu sagen. Jemand, der sich für Rot und Grün entscheidet, will demnach nicht abhängig sein vom Wohlwollen anderer, er will sich durchsetzen. Grün wirkt beruhigend und macht empfindlich für den anderen. Es schafft den Kontakt, den Rot in aktiver Zuwendung verarbeitet. Diese Farben haben nichts Grüblerisches und Vergeistigtes. Es sind die Farben Italiens seit Jahrhunderten, was mit dem Wirklichkeitssinn und dem Temperament der Italiener zu tun haben soll.

Mataranka

Für be

Purpurrote tropische Sonnenaufgänge. Sonnenuntergang von Orange nach Violett. Ich habe eine Vorstellung vom Paradies.

Rot erhöht den Puls. Rot erweckt den Eindruck einer höheren Temperatur. Rot ist territorial, es schirmt sich ab. Wenn man ins Licht schaut, färbt sich die Welt scharlachrot. Zinnoberrot ist wie eine gleichmäßig glühende Landschaft, es verträgt nichts Kaltes neben sich.

Rot als Malfarbe ist 75.000 Jahre alt, die erste Malfarbe der Steinzeitmenschen. Mit roter Erde haben sie die Toten zugedeckt.

Rot und Blut war ein Wort. In manchen Sprachen ist rot heute noch ein Synonym für schön.

Jede Farbe hat gegensätzliche Bedeutungen. Rot ist körperlich, warm und auch bedrohlich.

In der Johannesapokalypse reitet die Hure Babylon im Purpurgewand auf einem siebenköpfigen scharlachroten Tier voll von Lästerungen. Purpur ist ein Traum von Luxus, Glanz, Macht und Auserwähltsein.

Rot ist die Kraft, Grün nährt die Seele. Grün ist die passivste Farbe und trotzdem die beweglichste.

Gelbgrün ist durch das spitze Gelb weniger zurückhaltend, eher beunruhigend. Es sticht. Orange ist weich. Es ist die wärmste Farbe und drängt nach vorne.

für I.

Für I.

Die sieben Farben des Regenbogens sind das Spektrum. Selten gibt es einen Mondregen-bogen. Das Licht wird durch Regentropfen gebrochen und nach seinen verschiedenen Wellenlängen zerlegt.

In China hatte der Regenbogen fünf Farben und stellte die Synthese von Yin und Yang dar.

Im Mittelalter waren es drei Farben: Blau (die Sintflut), Rot (der Weltenbrand) und Grün (neue Erde).

Am Abend des sechsten Schöpfungstages ist er entstanden.

Am Ende des Regenbogens ist ein Schatz vergraben, den noch keiner gefunden hat. Der Schatz der Farben aber ist für alle da, die sehen können.

Man sieht Licht und damit Farbe nur, wenn es auf etwas auftrifft. Ein roter Apfel reflektiert die Rotteile und absorbiert die Grünteile. Wahrnehmung ist ein physikalisches Phänomen.

Um den reflektierten Teil des Spektrums zu sehen, gibt es auf der Netzhaut drei verschiedene Typen farbempfindlicher Sinneszellen (Zapfen), die die Empfindung von Orangerot, Grün und Blauviolett hervorrufen. Die Nervenerregung der Zapfen wird wohl beim Sehen von Substanzfarben umkodiert in Gegenfarbenpaare. Wahrnehmung ist ein psychischer und physischer Vorgang.

Die Wahrnehmung von Kunst ist artifiziell. Die Ordnung der Farben im Bild, etwa Harmonie und Gestalt oder Spannung und Entspannung, kann man auch als Elemente der menschlichen Psyche begreifen. Durch Differenzieren, Assoziieren und Identifizieren kommst du zu den Farbeigenschaften und ihrer Deutung. Der Gesichtssinn ist der am meisten gebrauchte Sinn. 80% aller Informationen sind optischer Art.

Beim Bildsehen werden zuerst Hell-Dunkel-Werte wahrgenommen, dann konstatiert man Farben. Jede Farbe wirkt dreifach: durch die Tönung, durch die Leuchtkraft und durch die Sättigung.

Im Spektrum sehen wir die Welt.

Lasciate ogni speranza, voi ch'entrate

Für R.

„Was leuchtend aussieht, sieht nicht grau aus.“ (Wittgenstein)

Grau als solches ist getrübt. Das Bild hat eine Grauzone, Grau aus komplementären Farben. Grau schirmt das impulsive Rot ab und distanziert sich. Neben hellem Grau wirken Farben kälter, neben dunklem Grau wärmer.

Das warme Rot glüht und läßt sich steigern durch dunkle, kalte Nachbarschaft. Am meisten wirkt es auf Schwarz, weil da alle Farben heller und größer wirken. Wenn Rot die Liebe ist, so ist Rot und Schwarz der Haß. Schwarz dreht die Farbsymbolik um. Eine schwarze Fläche auf einem farbigen Bild zieht sich zusammen, neigt dazu sich zu verweigern. Sie will heraus­fallen, wegrutschen, bildet ein Loch. Ich nehme Indigo anstelle von Schwarz. Mit Rotbraun gemischt war es auch van Goghs Schwarz.

Junge Sprachen bilden zunächst Wörter für Schwarz und Weiß, lange vor den anderen Farben. (Hell-Dunkel-Wahrnehmung!)

Schwarze Körper reflektieren das Licht nicht, lassen es nicht durch, sondern absorbieren es. Paradox: Schwarz steht für Lichtverlust, aber man sieht es nur im Licht. Schwarz ist in der Alchimie die materia prima. Es ist das Urchaos und das völlig Unbewußte. Das unbeschreib­lich Fremde ist im Schwarz das Schwärzeste. Schwarz ist die Unterwelt, der Orkus, der tiefste Trichter des Infernos. Selbst das Feuer wird finster und brennt lichtlos. Den chtonischen Gott­heiten wurden rabenschwarze Tiere geopfert.

Saturn ist die schwarze Sonne.

Schwarz gilt den Christen als Negation der irdischen Eitelkeit der Farben, doch war das Schwarzfärben der Kutten besonders aufwendig und teuer. Schwarz ist eine Farbe der Kirche. Das ließe sich ausweiten, aber dir ist jetzt sicher türkischer Kaffee lieber, der dreifach finster sein muß: schwarz wie die Nacht, heiß wie die Hölle und süß wie die Sünde.

Schiff

Für I.

Die beliebtesten Farben sind Blau und Rot.

Blau ist die Beständigkeit, Rot die Kraft. Blau und Rot sind zueinander gegensätzlich. Doch Purpurrot und Indigoblau sind chemisch fast gleich. Himmelblau entsteht aus dem Trans-parenten. Der Himmel erscheint durch Luftschichten blau. Yves Klein vermutete dahinter ein tiefes, leuchtendes Blau, das er kosmisches Blau nannte und patentieren ließ. Als Ende der fünfziger Jahre durch die Raumfahrt bekannt wurde, daß der Kosmos pechschwarz ist, soll er dem Freund, der ihm das mitteilte, auf die Nase gehauen haben.

Hast du blaue Augen, so sind sie es nicht etwa durch Pigmente, sondern durch „trübe Medien“, die den blauen Lichtanteil reflektieren, wie der Himmel. Säuglinge und junge Katzen haben blaue Augen. Wie lange sind sie blind?

Blau schützt vor dem bösen Blick.

Marsilio Ficino, Arzt und Philosoph an der platonischen Akademie der Medici, schreibt: „Wir widmen Jupiter den Saphir. Der Lapislazuli hat diese Farbe, weil seine jupiterähnliche Macht gegen Saturns schwarze Galle wirkte.“ Lapislazulipulver als Droge.

Blau ist die positive Seite der Phantasie und ist negative Energie, die konzentrisch wirkt. Durch diese Vertiefungsgabe führt Blau nach Innen ins eigene Zentrum. Es ist etwas widersprüch­liches von Reiz und Ruhe im Blau. Es weckt die Sehnsucht nach Reinem und Übersinnlichem.

„Wir sehen das Blaue gern an, weil es uns nach sich zieht.“ (Goethe)

Rot drängt auf uns ein.

Ein warmes Rot ist äußerlich grenzenlos, innerlich lebhaft und unruhig, nicht leichtsinnig wie Gelb. Es ist zielbewußte Kraft, brausend und glühend.

Ein warmes Rot, mit Schwarz gebrochen oder gehemmt, wird Braun und ist dann wie ein kaum hörbares Brodeln. Es bleibt körperlich. Du erwartest ein energisches Aufglühen.

Kapriolen

Für C.

Blau führt die Energie spiralförmig nach Innen, es wirkt konzentrisch. Wir sehen es so gerne, weil es uns nach sich zieht. Entfernung weckt die Sehnsucht.

In Novalis‘ Romanfragment „Heinrich von Ofterdingen“ träumt Heinrich von einer blauen Blume, die in einem Garten zwischen blauen Felsen an einer blauen Quelle wächst. Erstaunt sieht er, wie sich die Blume in das Gesicht eines Mädchens verwandelt. Da wird er von seiner Mutter geweckt. Es treibt ihn fort von zuhause, er will die Welt entdecken.

Blau spricht von Ideen, deren Verwirklichung in der Ferne liegt.

Die blaue Wegwarte soll ein Mädchen gewesen sein, das so lange an dem Weg wartete, wo ihr Liebster ihr auf Wiedersehen sagte, bis sie zu einer Blume wurde. Blau ist die Farbe der Gefühlstiefe und der Treue.

Blaustrümpfe nannte man dagegen die Frauen, die sich bilden wollten. Da Frauen bis ins 20. Jahrhundert nicht an den Universitäten studieren konnten, trafen sie sich in den intellektuellen Zirkeln der Salons. Der Begriff entstand, weil im 18. Jahrhundert einer der Gäste der Schrift­stellerin Lady Montagu immer in blauen Wollstrümpfen kam, die nicht gesellschaftsfähig waren, sondern Arbeitskleidung wie die Blue Jeans. Dieser Salon wurde Blue-Stocking-Club genannt und war berühmt für seine gelehrten Gespräche.

Blau ist Marienfarbe. Die Mondsichelmadonna trägt leuchtend Blau. Blau ist weiblich.

Die Spanier sagen zu ihren Ehefrauen: meine orangefarbene Hälfte. Orange ist fröhlich, wachsam und warm. Orange enthält das Leichte, Lichte, Geistige des Gelb und die Sinnlichkeit des Rot. Es ist maximale Energie. Es wirkt gesund, weil es einem Menschen ähnelt, der von seinen Kräften überzeugt ist. Im Buddhismus ist Orange die Farbe der Erleuchtung. Der indische Himmel ist orange. Orange ist komplementär zu Blau. Lebensfroh machst du im beständigen Blau deine Kapriolen.

Indien

Für L.

Meine Erinnerung an diese Zeit ist wie eine Blumenwiese unter blauem Himmel. In indischen Bildern ist der Himmel orangefarben.

Rot-Orange-Gelb ist der Farbklang der Energie.

Gelborange strahlt als große Fläche Licht und Heiterkeit aus.

Rotorange drängt sich heftig in den Vordergrund und duldet am ehesten Gelb neben sich. Gelb ist wie eine Kraft, die sich unbewußt auf die Dinge stürzt. Orange ist die maximale Energie und ein Feuer wie die Sonne. Es wirkt gesund, vergnügt und gesellig. Orange ist eine Farbe der Nähe, in der Ferne wird es braun. Orange zieht Rot heran zum Menschen durch das vordergründige Gelb, es nimmt die innere Bewegung des Rot auf und gibt sie an die Umgebung ab.

Violett verhält sich gegensätzlich. Durch den Blauanteil zieht es das Rot zurück vom Menschen. Es verinnerlicht das Gefühl, ist geheimnisvoll, macht melancholisch. Rosa ist ein kleines, geschwächtes Rot, es ist weich und zärtlich. Früher war es die Farbe der kleinen Buben. Rosa ist das Marineblau Indiens. Mit Orange, Gelb und Violett bildet es einen exoti­schen Farbklang.

Bei uns hat Orange keinen Eigennamen, es gilt als instabil und wird schnell Rot oder Gelb genannt. Die Inder haben mehrere Namen für Orange. Indischgelb ist Orange, Safrangelb ist Orange, Hennarot ist Orange.

Indischgelb war eine leuchtende Färberfarbe, in Klumpen exportiert. Meyer’s Lexikon wußte noch in den zwanziger Jahren über die Herstellung nichts, nur, daß es nach Urin riecht. Es war Kuhurin. Die Tiere mußten Mangoblätter fressen und wurden krank davon. Heute ist das verboten.

In indischen Bildern ist Hautfarbe orange und der Himmel.

In China ist Gelb die Farbe der Vollkommenheit, Rot ist Glück und Macht. Orange, die Mischung, ist die Farbe des Wandels und der Wechselwirkung. Dionysos, Gott des Weines und der Fruchtbarkeit, trägt orangefarbene Gewänder. Laß uns nochmal ein Fest feiern. Zwar wollen wir nicht mehr junge Tiere zerreißen und roh verzehren, aber deine Töpfe sind die größten.

Das Meer

Für E.

Dieses Grün und Orange sind warme Farben.

Im glühenden Orange wird Gelb, das ziellos Kraft ausströmt, von Rot gezügelt.

Im Gelbgrün holt Gelb die Blauelemente heran, die sich sonst zurückziehen würden. Das leichtsinnige Gelb macht diese Farbe zur Farbe der Jugend, sie ist lebendig und freudig.

Grün ist die eigenständigste Mischfarbe und die mit der größten Beweglichkeit. Orange wird schnell zu Rot oder Gelb erklärt, Grün bleibt in allen Abstufungen grün. Dagegen verändert es sich am meisten von Tageslicht zu Kunstlicht.

Das schönste Grün war das hochgiftige Schweinfurter Grün, auch  Französisches Grün oder Smaragdgrün genannt. Es war Kupfergrünspan in Arsen gelöst.

Grün war Napoleons Lieblingsfarbe. Auf St.Helena hatte er grüne Tapeten, grüne Möbel und grünes Lederzeug. Durch das feuchte Klima löste sich das Gift. Er starb an Arsenvergiftung. Tödliches Gift im Grün. Giftgrün.

Im Islam ist Grün die Farbe des ewigen Lebens. Für die patriarchalischen Wüstennomanden ist es eine männliche Farbe. Nur der Kalif, Nachfolger Mohammeds, durfte einen grünen Turban tragen.

In Afrika und China ist Grün weiblich, in China bedeutet es langes Leben und Barmherzigkeit. In Rom war Grün die Farbe der Venus, Göttin der Liebe.

Chinesische Drachen sind verschiedenfarbig. Im Islam wäre Grün als dämonische Farbe undenkbar, bei uns aber sind die Drachen grün. Mit grünen Drachen oder grünen Löwen machten die Alchimisten Gold. Gemeint sind gelblichgrüne Chlorlösungen, die das Gold aus Erzen auslösen. Geschmolzenes Gold wird grün. Grün fluoreszieren leuchtende, geheimnis-volle Substanzen. Die Alchimisten sahen im geheimen Feuer des grünen Kristalls den lebendi-gen Geist. Verwandlungsprozesse wurden symbolisiert durch Rot und Grün.

Im Herbst materialisiert sich das geheime Feuer, wenn die Blätter sich von Grün nach Orange verwandeln.

Mein Herz wird grün heißt: man schöpft wieder Hoffnung.

Man ist jemandem nicht grün, den man nicht leiden kann. So bin ich dir also grün.

Mataranka I

Für T.

Daidalos, Vater des Ikaros, hat Ariadne den Faden gegeben. Daidalos und Ikaros wurden deshalb gefangengenommen. Daidalos fertigte aus Wachs und Federn Flügel, und sie konnten dem Gefängnis entfliegen.

Das kalte Rot läßt sich, wie alle kalten Farben, durch Lasuren sehr vertiefen. Das Aktive ver-schwindet. Es behält seine versteckte Fähigkeit wieder energisch aufzuglühen. Als ob es auf der Lauer läge. In der Mitte stürzt es ins Rot der Kraft und Leidenschaft: Karmin- und Kadmiumrot.

Karminrot ist transparent haltbarer (lichtechter) als opak. Es wird aus Läusen gemacht. Die abgelegten Eier bleiben unter der abgestorbenen Weibchenhülle. Sie werden eingesammelt und als Paradieskörner gehandelt.

Das dunkle Rot wird aus der Krappwurzel hergestellt und ist ein Farbstoff, das heißt wasser-löslich. Um feste Pigmente für Malfarbe zu gewinnen, muß ein Farbstoff verlackt werden, das heißt er wird niedergeschlagen auf ein Substrat, z.B. Tonerde, Metalle, und ausgeschieden. Dieses Rot heißt Krapplack, Florentiner Lack, Geranium Lack. Die Krappwurzel enthält Alizarin und Purpurin. Durch Ausscheiden des lichtempfindlichen Purpurin entsteht der halt-bare Alizarinkrapplack, der heute aus Teer gewonnen wird.

Coelinblau (Türkisblau) ist eine grünliche, sehr helle, sehr reine, dichte Kobaltzinnverbindung und absolut haltbar. Türkisblau ist die Farbe der Empfindsamkeit und des sensiblen Fein-gefühls.

Der Türkis sollte vor allem Herrscher vor bösen Einflüssen schützen.

Türkise schenken die Männer der Turkvölker den Frauen als Zeichen der Liebe. Man darf sich Türkise nicht selber kaufen. Der Türkis ist ein lebendiger Stein, er kann sterben (wie die Liebe) und wird dann stumpf.

Der mexikanische Feuergott trug den Namen „Herr des Türkises“, weil er die Einheit von himmlischem und irdischem Feuer symbolisierte.

„Blau ist feuriger als Gelb.“ (Derek Jarman)

Nur kaltes Rot läßt sich mit Blau zu Violett mischen. Es verbindet das Fühlen mit dem Denken. Krapprot über Coelinblau wird Purpurviolett.

Purpurfarben waren die Segel von Kleopatras Barke und so parfümiert, daß der Wind liebeskrank nach ihnen war.

„Mädchen, schließ das Fenster, der Windstier wird dich holen.“ (Marokkanisches Sprichwort)

4 Die 7 Gerechten

Für B.

„Der Künstler ist ein erbärmlicher Seefahrer, Schiffbrüchiger zwischen Schönheit und Wahr-heit.“ (Jürgen Partenheimer)

Hier ist kein Meer, nur ein Flüßchen.

Gelb verausgabt sich, verschwendet sich, löst sich gerne los. Gelb ist die Sonnenfarbe, die Farbe der so leicht irritierbaren Intuition, die ja eine Sonnenkraft ist, eindringlich und erhellend. Es ist die hellste Farbe im Farbkreis. Sein Lichtwert ist fast dreimal so groß wie der des Blau. Gelb und Blau bilden den Licht- und den Dunkelheitspol.

Gelb ist in China das Zentrum des Universums, Farbe der Vollkommenheit, und Blau ist nicht Grundfarbe.

In der Antike gab es anscheinend kein eigenes Wort für Blau, es war das gleiche Wort wie Dunkelheit, Sturm, Regenwolke, trüber Himmel.

Gelb wirkt exzentrisch, Blau konzentrisch. Die Wirkung von Gelb steigert sich beim Aufhellen, die von Blau beim Verdunkeln. Gelb verträgt kein Verdunkeln und nichts Kaltes. Blau bremst die Bewegung des Gelb, es entsteht das passive Grün. Blau kann durch Vertiefen fast an Schwarz grenzen. Das dunkelste Blau ist Indigo. Preussischblau, Ultramarinblau, Kobaltblau, das hellste Blau ist Coelinblau.

Das älteste künstliche Blau ist Preussischblau. Es erhielt seinen Namen im 17. Jahrhundert von der preussischen Uniform. Auch Englischrot und Russischgrün sind Uniformfarben. Preussisch­blau, heute eine Eisencyanverbindung, wurde ab 1740 aus Indigo und Vitriolöl gebraut, davor aus Waid. Man sagt, der brandenburgische Kurfürst wollte die Waidbauern unterstützen. Indigo aus Indien war seit dem 16.Jh. verboten. Er galt als ätzende, schädliche Teufelsfarbe. In Wirklichkeit war er dreißigmal ergiebiger als Waid, schöner und billiger. Der schlechteste Indigo war so schön wie der beste Waid. Die Nürnberger Färber mußten Eide schwören, da man die gefärbten Stoffe nicht unterscheiden konnte. Auf Verwendung des Indigo stand Todesstrafe. Die Deutschen liebten Blau immer am meisten.

Indigo ist eine Pflanze, wie auch Waid. Die Färbemasse war ein mit alkoholisiertem Urin vergorener Pflanzenbrei. Er ist ein Oxydationsstoff: er gewinnt seine Farbe im Licht. 1737 kapitulierten die Waidbauern, ab 1738 ernteten sie keinen Waid mehr. 150 Jahre später wurde Indigo, nach langem Forschen, durch die Anilinfarben niedergekämpft.

Die blaue Stunde ist die Stunde nach Arbeitsschluß, die Zeit der Entspannung. Und wenn die Färber Blau machten, waren sie blau.

„Ich färbe Blau, ich färbe schön und bin dabey kein eitler Prahler; o könnt‘ es mancher Blinder sehn, gewiß, er gäbe tausend Thaler! Doch da er’s nicht erkennen kann, so Gnade Gott dem armen Mann.“ (Friedrich Wilhelm Eichholz)

Babylon

Für W.

„Das Bild ist ein Gefängnis für die Seele, deine Vererbung, deine Erziehung, deine Laster und Bestrebungen, deine Qualitäten, deine psychische Welt.“ (Derek Jarman)

Es gibt eine rein sprachliche Wahrheit der Dinge.

Die Farbe Rot verkörpert das Gefühl und das Unbewußte, Blau die Erkenntnis und das Denken. Zusammen verwandeln sie sich in Violett. Violett ist geheimnisvoll und meditativ, weil es gefühlsmäßiges Denken meint. Geheimnisse machen unruhig, weil der Tod dahinter steht, deshalb ist Violett auch die Farbe der Agonie und der Trauer. Und es ist die Farbe der 60er Jahre, Hendrix, Purple Haze, Deep Purple…

Rot ist die Kraft und die Leidenschaft. Rot ist Blut ist schön ist ein Wort. Rot erregt und erhöht den Puls. Rot schirmt sich ab. Zinnoberrot ist wie eine gleichmäßig glühende Landschaft, die nichts Kaltes neben sich verträgt. Wenn man ins Licht blickt, färbt sich die Welt scharlachrot.

Nero stattete seinen Haushalt rot, sich selbst purpurviolett aus.

Die Tradition und die Geheimnisse der Purpurfärberei sind mit der Eroberung Konstantinopels untergegangen. Die luxuriöseste Farbe aller Zeiten: 1 g Purpur für 100 Mark, 1 g Gold für 20 Mark. Der beste Purpur kam aus Tyrus in Phönizien (Purpurland). Purpurviolett ist Königsfarbe. In Rom war es nur dem Kaiser, der Kaiserin und dem Thronfolger erlaubt. Für höhere Beamte gab es Purpurbesatz oder Purpurschärpen. Sonst stand auf die Verwendung des Purpur die Todesstrafe wegen Maßlosigkeit.

Kleopatra ließ die Segel ihrer Barke purpurn färben, um Caesar zu ärgern, denn für sie galten die römischen Gesetze nicht. Was für ein Affront: kleiner, purpurgekleideter Caesar unter sehr großen Purpursegeln.

Die byzantinische Kunst war ganz auf den Purpur abgestimmt. Auf den Mosaiken von San Vitale in Ravenna sind Kaiser Justitian und Kaiserin Theodora in Purpurmäntel gehüllt. Theodora weigerte sich, ins Exil zu gehen, weil sie nie den Purpur ablegen wollte, das wäre die Ablegung der Kaiserwürde gewesen. Sie nahm den Purpurmantel mit ins Grab. Die wertvollsten Codici dieser Zeit wurden auf purpurgefärbtes Pergament geschrieben.

Gewogen und zu leicht befunden. Babylon hatte glanzvolle Zeiten erlebt, war erstarrt und auf einem zweiten Höhepunkt untergegangen. Hammurabis Gesetzestafel, das Gilgamesch-Epos, der Turm von Babel und die Sprachverwirrung sind Denkmale, die jeder kennt.

Als beim Gastmahl des letzten Chaldäerregenten Belsazar die geheimnisvolle Schrift „mene mene tekel uparsin“ an der Wand erschien, versprach er dem, der sie deuten könnte, ein Purpurgewand und den dritten Rang im Reich. Gezählt, gewogen und geteilt: es war die Voraussage des Untergangs.

Die Hure Babylon ritt im Purpurgewand auf dem siebenköpfigen scharlachroten Tier voll von Lästerungen und ging unter.

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